Thema Verkehr

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Lebensqualität für Zürich

Schon anfangs der 1970er Jahre, mitten im Architekturstudium, fand Beat Schweingruber zum lebenslangen Engagement für einen ökologischen und Fussgänger-freundlichen Verkehr. Zusammen mit KollegInnen realisierte er die kleine aber richtungsweisende Ausstellung „Fall Hechtplatz – Fall Zürich“. Es ging darum, gegen den Abbruch von historischer Bausubstanz zu kämpfen: Für das Haus zum Raben war ein Neubau geplant! Und es wurde gezeigt, wie unsinnig die vielen hässlichen Parkplätze in der Altstadt waren. Damals waren sowohl der Hechtplatz, als auch der Schifflände-Platz Parkplätze ohne Bäume oder Bänke. Die temporäre Ausstellung über Stadtzerstörung hatte auf jedem Parkplatz in hübsches Bänklein, das aus einem Kubus aus einem gepressten Auto aus der Verschrottungs-Anlage in Nänikon bestand. Das war auch ein Mahnmal gegen das damals geplante Parkhaus in der Limmat.

In Zürich wurde 1973 über eine U-Bahn abgestimmt, denn man wollte die Tramlinien auf den Hauptachsen eliminieren, um den Autos mit vierspurigen Einfallstrassen Platz zu machen. Beat schrieb damals zusammen mit Paul Roman einen vielbeachteten Artikel im Tages-Anzeiger-Magazin, der sicher viel zum Meinungsumschwung in Zürich beigetragen hat.

Die U-Bahn wäre Teil geworden eines ineffizienten System, weil man dann für unsere weltweit gesehen doch eher kleine Stadt mit Tram, U-Bahn und Normalspurbahn drei verschiedene und nicht kompatible Bahnsysteme gebaut hätte. Das Resultat für uns Zürcher wäre auch für relativ kurze Strecken eine ständige Umsteigerei gewesen. die Zeit, die man mit der gegenüber dem Tram schnelleren U-Bahn gewonnen hätte, wäre auf den Rolltreppen von und zur U-Bahn wieder verloren worden.

Das Resultat der Abstimmung war so:

1974 TA-Aushang U-Bahn

Die Zürcher U-Bahn, wäre auch ein viel zu teures Projekt gewesen und Beat hat sich dann in der SP und in einer denkwürdigen Abstimmung für den 300-Millionen-Kredit eingesetzt. Denkwürdig, weil es wohl noch nirgends auf der Welt vorgekommen ist, dass eine Summe von 300 Millionen genehmigt worden ist ohne eine klare Aussage, für welches Projekt das viele Geld zu verwenden sei. Das Ziel des 300-Mio.-Kredites war die Beschleunigung des Trams. Der Kredit wurde gegen erbitterten Auto-Widerstand vom Volk genehmigt und Zürich hat in der Folge eine weltweit führende Rolle in der Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs übernommen, weil über viele Jahre genug Geld vorhanden war, um für die damaligen technischen Möglichkeiten ein ambitioniertes Steuerungs-System für den öffentlichen Verkehr zu entwickeln. Es war das sogenannte SESAM-System, das dann von vielen anderen Städten übernommen worden ist.

Beat kämpfte mit einleuchtenden Argumenten auch gegen den damaligen Trend des Establishments, Zürich zu einer gewöhnlichen Autostadt zu machen. Die geplanten Autobahnen zum Hauptbahnhof Zürich (Y) haben Beat jahrzehntelang beschäftigt, denn die Planungsleiche gibt es auch heute nach 50 Jahren noch.

Engagierter Journalismus

In der Zeitschrift „Zürcher Student“ hat Beat begonnen, die Schreibfeder zu wetzen und in der Zeitung „Konzept“ kam er auch pointiert zu Wort. Sein Meisterstück mit Folgen, das er zusammen mit Paul Romann schrieb, war aber ein Artikel über Die Autolobby in der Schweiz.

1979 TAM Autolobby

Darin wurde detailliert aufgezeigt, wie der ganze Auto-Lobby-Filz in der Schweiz aufgebaut war und welche Politiker darin gefangen waren. Da alles faktengetreu recherchiert war, wurde der Artikel nicht angefochten, aber die bloss Gestellten wehrten sich mit einem Auto-Inserate-Boykott gegen den Tages-Anzeiger, der den Verlag Millionen kostete.

Visionen und Knochenarbeit für den umweltgerechten Verkehr

Die Gründung des VCS war für ihn eine Herzensangelegenheit, aber auch mit Kämpfen verbunden, denn Beat mochte keine Halbheiten und als das Schiffchen VCS angestossen war, zeigte sich bald, dass der Dampfer VCS nicht immer in die gleiche Richtung fahren wollte wie das ursprüngliche Schifflein. Natürlich war es für einen Engagierten wie Beat nicht möglich, alle Ziele zu erreichen. Er war jedoch Herausgeber des Leitbildes des VCS von 1983 (288 Seiten):

1983 BS Hsg Umwelt Verkehr Umkehr VCS-Leitbild

Fachmann für Behinderte im öffentlichen Verkehr

Sein Engagement hat er in der zweiten Hälfte seines Berufslebens auf die behinderten Menschen im öffentlichen Verkehr fokussiert. Auf diesem Gebiet wurde er zum international anerkannten und geschätzten Fachmann und hat viel bewirkt.

Über die Tätigkeit von Beat zu Gunsten der Behinderten im öffentlichen Verkehr haben Markus Koller und Andreas und Ursi Weisskopf eine Würdigung geschrieben:

Würdigung-Beat-Fachst-BöV 

A+U Weisskopf Das Wirken von Beat wirkt nach

Zurück zum Ewigen: Zu Fuss

Im letzten Jahr hat er als Vorstandsmitglied des Fussgängervereins Zürich sein Wissen zur Verfügung gestellt. (www.fussgaengerverein.ch) Er hat auch als Velofahrer nicht vergessen, dass die Schwächsten im Verkehr zu Fuss gehen oder im Rollstuhl fahren.

Beat war ein Retter der Urbanität in Zürich. Ihm und seinen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass heute die Stadt Zürich in den weltweiten Rankings der Städte mit der höchsten Lebensqualität zuoberst oder fast zuoberst steht.

cTh